Eventsoftware „Made in Germany“ bedeutet mehr als ein Serverstandort in Frankfurt. Wichtig ist auch, welchem Recht der Anbieter unterliegt und welche Dienstleister er für Hosting, E-Mail-Versand oder die Datenbank einsetzt. Ein deutsches Unternehmen fällt unter deutsches und europäisches Datenschutzrecht, ein US-Anbieter unterliegt zusätzlich US-Recht, selbst wenn seine Server in Deutschland stehen. Für B2B-Events mit sensiblen Teilnehmerlisten sind das Auswahlkriterien zum Nachprüfen, kein Detail für die Fußzeile.
Wenn du einen Kongress, eine Verbandstagung oder ein Corporate Event organisierst, verarbeitest du die Daten von Geschäftsführenden, Amtsträgern, Referierenden und Gästen. Wer diese Daten am Ende einsehen darf, entscheidet sich lange vor dem Event: bei der Wahl der Software.
In diesem Artikel liest du, was „Made in Germany“ bei Eventsoftware konkret heißt, warum der Serverstandort allein nicht reicht, und woran du einen Anbieter erkennst, der Datenschutz nicht nur behauptet.
Hinweis: Dieser Artikel gibt Orientierung für die Tool-Wahl und ist keine Rechtsberatung. Für verbindliche Fragen zu deinem konkreten Fall sprich mit deinem Datenschutzbeauftragten oder einer spezialisierten Kanzlei.
Key Takeaways
- „Made in Germany“ ist bei Eventsoftware kein geschützter Begriff. Aussagekräftig wird er erst durch Angaben, die du prüfen kannst: Hosting-Standort, Subunternehmer, Auftragsverarbeitungsvertrag und Unternehmenssitz.
- Ein deutscher Serverstandort schützt nicht automatisch: Unterliegt der Anbieter US-Recht (etwa als US-Tochter oder mit US-Mutterkonzern), kann der US CLOUD Act greifen, unabhängig davon, wo die Server stehen. Dieselbe Frage stellt sich bei den Dienstleistern, die ein Anbieter selbst einsetzt.
- Bei B2B-Events sind die Daten besonders sensibel: Teilnehmerlisten von Führungskräften, Amtsträgern und VIPs, dazu Kontaktdaten, Essenspräferenzen und Bewegungsdaten aus der Event-App.
- Für Verbände und die öffentliche Hand ist der Hosting-Standort oft eine harte Vergabe- und Compliance-Anforderung, kein Nice-to-have.
- Ob „Made in Germany“ trägt, prüfst du an fünf Punkten: Hosting-Standort; Subunternehmer und ihr Verarbeitungsort; Auftragsverarbeitungsvertrag; Unternehmenssitz und Support; Zertifizierungsstatus, ehrlich benannt.
Eine feste Definition gibt es nicht. Wenn der Begriff bei Eventsoftware etwas heißen soll, dann das: Ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland entwickelt und betreibt die Software, die Plattform wird in Deutschland gehostet, und die Dienstleister, die dabei Teilnehmerdaten verarbeiten, tun das innerhalb der EU. Geregelt ist das in einem Auftragsverarbeitungsvertrag, den du beim Anbieter anfordern kannst. Der Serverstandort ist ein Teil davon, aber nicht der ganze.
Der Begriff wird oft auf ein einziges Merkmal verkürzt, das Rechenzentrum. Ein Frankfurter oder Berliner Serverstandort klingt beruhigend und steht auf vielen Anbieterseiten. Genauso wichtig ist aber, wer über den Zugriff bestimmt. Das hängt daran, welchem Recht das Unternehmen unterliegt, das die Software betreibt, und welchem Recht seine Dienstleister unterliegen.
Für dich als Veranstalter ist das der Unterschied zwischen einer Compliance-Frage, die du einmal klärst, und einer, die dich das ganze Eventjahr begleitet. Ein Anbieter, der Hosting-Standort und Subunternehmer offenlegt und im Auftragsverarbeitungsvertrag regelt, beantwortet dir genau diese Fragen. Nennt er nur „Server in Deutschland“, bleibt die Frage offen.
Der Serverstandort in Deutschland ist ein wichtiger Punkt, doch er beantwortet nicht jede Frage. Der Grund heißt US CLOUD Act. Dieses US-Gesetz verpflichtet Anbieter, die der Gerichtsbarkeit der USA unterliegen, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, und zwar unabhängig davon, ob die Daten in den USA oder außerhalb gespeichert sind. Ausschlaggebend ist die Kontrolle über den Anbieter, nicht der physische Speicherort.
Praktisch heißt das: Betreibt ein US-Unternehmen die Eventplattform oder kontrolliert es sie über einen Mutterkonzern, kann der CLOUD Act greifen, auch wenn die Server nachweislich in einem deutschen Rechenzentrum stehen. Der deutsche Standort löst das Problem juristisch nicht, er verdeckt es nur.
Die Frage endet nicht beim Anbieter selbst. Eine Eventplattform arbeitet in der Regel mit Dienstleistern, etwa für das Rechenzentrum, den E-Mail-Versand oder die Datenbank. Wer diese Dienstleister sind und wo sie Daten verarbeiten, steht in der Subunternehmer-Liste zum Auftragsverarbeitungsvertrag. Wer den Begriff ernst meint, meint damit genau das: Der Anbieter legt diese Angaben offen, und du kannst sie prüfen.
Das ist auch der Punkt, an dem sich viele „DSGVO-konform“-Versprechen relativieren. Die Datenschutz-Grundverordnung schreibt kein Hosting in der EU vor. Sie stellt aber strenge Anforderungen an Transfers in Drittländer, und die Rechtsgrundlage für US-Transfers ist bereits zweimal vor dem Europäischen Gerichtshof gefallen (Safe Harbor 2015, Privacy Shield 2020). Seit 2023 ist das EU-US Data Privacy Framework die Grundlage für Übermittlungen an zertifizierte US-Unternehmen.
B2B-Events produzieren einen dichten, sensiblen Datenbestand. Bei einem einzigen Kongress kommen typischerweise zusammen:
Wer über die Teilnehmenden eines hochkarätigen Events verfügt, weiß, wer wen wann getroffen hat. Das ist ein anderes Risikoprofil als eine anonyme Newsletter-Liste. Für Veranstaltende in sicherheitssensiblen Branchen, in Ministerien, Behörden oder bei Verbänden mit politischem Auftrag ist der ausländische Zugriff auf solche Daten kein theoretisches Szenario, sondern ein Ausschlusskriterium bei der Tool-Wahl.
Digitale Souveränität bedeutet, dass eine Organisation ihre Daten, Prozesse und Systeme rechtlich und organisatorisch selbst kontrolliert, ohne Zugriffsmöglichkeiten von Behörden aus Drittländern. Für Eventsoftware heißt das: Du behältst die Kontrolle darüber, wer deine Teilnehmerdaten sehen kann, ohne dich dafür auf die Zusicherungen eines ausländischen Anbieters verlassen zu müssen.
Für professionelle Veranstaltende wird dieses Kriterium aus vier Gründen konkret:
Digitale Souveränität ist damit kein abstraktes IT-Thema, sondern eine handfeste Frage der Auswahl. Sie gehört an den Anfang der Tool-Entscheidung, nicht in die Fußnote.
Ein deutscher Anbieter und ein US-Anbieter können beide in Frankfurt hosten. Der Unterschied liegt darin, wer dein Vertragspartner ist und welches Recht für wen gilt. Diese Übersicht fasst zusammen, wo er im Eventalltag konkret wird:
Für dich bedeutet das im Alltag vor allem eines: Beim deutschen Anbieter bleiben weniger offene Fragen, und die verbleibenden beantwortet die Subunternehmer-Liste. Nimm sie in das Gespräch mit deinem Datenschutzbeauftragten mit.
„Made in Germany“ ist kein geschützter Begriff. Ein Serverstandort-Hinweis auf der Website reicht als Nachweis nicht. Prüf stattdessen diese fünf Punkte, dann weißt du, was hinter dem Begriff steht:
Wenn ein Anbieter auf diese fünf Fragen klare Antworten hat, ist „Made in Germany“ mehr als ein Siegel. Wenn er ausweicht, weißt du genug.
Die tiefergehende Compliance-Prüfung, also AVV, Einwilligungsmanagement, Löschkonzept und Datenminimierung, ist ein eigenes Thema. Der Hosting-Standort und die Gerichtsbarkeit sind der erste Filter, den ein Anbieter passieren muss, bevor sich die weiteren Fragen überhaupt lohnen.
Streavent ist eine deutsche All-in-One-Eventplattform für professionelle B2B-Events, entwickelt und gehostet in Deutschland. So beantwortet Streavent die Punkte aus diesem Artikel:
Wie Streavent die Anforderungen der öffentlichen Hand konkret abdeckt, liest du auf der Seite Eventsoftware für Behörden.
Der Begriff ist nicht geschützt. Gewicht bekommt er erst, wenn ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland die Software entwickelt und betreibt, die Plattform in Deutschland gehostet wird und die Subunternehmer Daten innerhalb der EU verarbeiten. Das kannst du im Impressum und im Auftragsverarbeitungsvertrag nachprüfen.
Nein. Ein deutscher Serverstandort ist ein wichtiger Punkt. Unterliegt der Anbieter US-Recht, etwa als Tochter eines US-Konzerns, kann der US CLOUD Act US-Behörden Zugriff verschaffen, unabhängig davon, wo die Server stehen. Dieselbe Frage stellt sich bei seinen Dienstleistern, deshalb gehört auch die Subunternehmer-Liste im Auftragsverarbeitungsvertrag in die Prüfung.
Der US CLOUD Act verpflichtet Anbieter unter US-Gerichtsbarkeit, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, weltweit. Für Eventveranstaltende heißt das: Nutzt du einen US-Anbieter, können deine Teilnehmerdaten grundsätzlich unter dieses Gesetz fallen, auch bei einem Serverstandort in Deutschland.
Grundsätzlich ja, wenn der Anbieter unter dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert ist oder Standardvertragsklauseln mit einer Risikobewertung vorliegen. Praktisch bedeutet das laufenden Prüfaufwand, denn die Rechtsgrundlage für US-Transfers ist bereits zweimal vor dem Europäischen Gerichtshof gefallen. Bei einem deutschen Anbieter mit Subunternehmern in der EU prüfst du stattdessen vor allem die Subunternehmer-Liste.
Weil hier oft besonders sensible Teilnehmerdaten verarbeitet werden und die Datenhaltung in Deutschland oder der EU häufig eine verbindliche Vergabe- oder Compliance-Anforderung ist. Ein Anbieter mit Hosting in Deutschland und Subunternehmern in der EU kann diese Anforderung mit Hosting-Standort, Subunternehmer-Liste und Auftragsverarbeitungsvertrag belegen.
An fünf Punkten, die du nachprüfen kannst: Hosting-Standort; Subunternehmer und ihr Verarbeitungsort; Auftragsverarbeitungsvertrag; Unternehmenssitz und Support; Zertifizierungsstatus, ehrlich benannt. Ein Serverstandort-Hinweis allein reicht als Nachweis nicht.
Bei B2B-Events entscheidet der Hosting-Standort mit darüber, wer deine Teilnehmerdaten am Ende einsehen kann. „Made in Germany“ ist dabei nur dann ein echter Vorteil, wenn der Anbieter die Angaben dahinter offenlegt: wo gehostet wird, welche Subunternehmer wo verarbeiten, was im Auftragsverarbeitungsvertrag steht und wo das Unternehmen sitzt. Mit diesen Angaben gehst du mit Fakten statt mit Behauptungen ins Gespräch, mit deinem Datenschutzbeauftragten wie mit der Vergabestelle.
Wenn du sehen willst, wie eine in Deutschland entwickelte und gehostete Eventplattform in der Praxis aussieht, mit Registrierung, Check-in und Event-App aus einem System: Buche eine Demo und bring deinen Datenschutzbeauftragten gern direkt mit.